Rezension // GOTT von Ferdinand von Schirach

Man könnte davon ausgehen, dass jede/r von uns eine klare Haltung zum Thema Sterbehilfe hat. Nach dem Lesen dieses Theaterstückes wird sich dies mit Sicherheit ändern. Ferdinand von Schirach bringt uns in dieser besonderen literarischen Form ein Thema nahe über das wir dringend sprechen müssen! Daher gibt es von mir eine ganz klare Leseaufforderung für das neue Buch von Ferdinand von Schirach: „GOTT“!

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Zum Inhalt des Theaterstücks „GOTT“

Richard Gärtner ist 78 Jahre alt, völlig gesund, doch möchte er nicht mehr weiterleben. Seit dem Tod seiner Frau Elisabeth ist er nur noch die Hälfte, wie er sagt. Er hat die Situation mit seinen Kindern besprochen und bleibt bei dem Entschluss selbst zu bestimmen, dass er geht. Seit dem Urteil vom deutschen Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 hätte er jedes Recht dazu sich eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital verabreichen zu lassen. Grundlage für das Urteil ist das allgemeine Persönlichkeitsrecht, welches auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Doch muss ihm dieses Medikament eine Ärztin oder ein Arzt verabreichen und diese/r darf selbstverständlich selbst entscheiden ob sie/er dies tun möchte. Im Theaterstück tagt der Ethikrat und behandelt genau diese Frage: Soll eine Ärztin oder ein Arzt einem Menschen dabei helfen? Es beginnt eine heiße Debatte bei der u.a. der Rechtsanwalt von Hr. Gärtner, ein medizinischer und theologischer Sachverständiger zu Wort kommt.

Meine Gedanken zum Theaterstück

Es ist ein höchst brisantes Thema, dem wir uns hier widmen, daher ist es umso wichtiger, dass sich jemand gewissenhaft damit auseinandergesetzt hat. Ferdinand von Schirach hat als Jurist einerseits den nötigen Background, um uns diesen Sachverhalt näher zu bringen und das Talent die richtige Form dafür zu finden. „GOTT“ liest sich ausgesprochen flüssig und leicht verständlich für Menschen, die bisher kaum in Berührung mit dem Thema gekommen sind. Es gab nahezu keine Seite im Buch, auf der ich keine Stelle markiert habe. Der Text ist mit Statistiken zum Thema gespickt und verdeutlicht wie horrend die Folgen für gescheiterte Suizide für die Betroffenen sein können; doch was tun, wenn es keine Möglichkeit gibt selbstbestimmt zu sterben? Auf der anderen Seite wird auch aufgezeigt, dass der Sterbewunsch auf einem freien Willensentschluss basieren muss. Richard Gärtner mag seine Entscheidung wohl überlegt getroffen haben, doch was ist mit einem Teenager, der Liebeskummer hat? Wovor von Schirach außerdem warnt, ist, dass ältere Menschen in unserem Umfeld plötzlich das Gefühl haben könnten, auf diesem Wege abtreten zu müssen, um niemandem mehr zur Last zu fallen. Und das soll nicht passieren!

Besonders interessant fand ich die Betrachtung des Sachverhalts aus theologischer Sicht. So plädiert der Sachverständiger für das Leben: „Jedes Leben ist unentbehrlich, wir dürfen es aus Prinzip nicht nehmen. Das Töten eines anderen Menschen kann niemals eine Tag der Liebe sein, denn es vernichtet ja die Grundlage der Liebe – das Leben.“ (von Schirach 2020, S. 80) Außerdem habe ich durch die Lektüre einen ganz neuen Blick auf den christlichen Glauben gewonnen, der anhand dieser Textstelle deutlich wird: „Er [der christliche Glauben] verlangt uns […] ab [..] das Leben mit all seinem Leid bis zum Ende zu ertragen und daraus seinen Sinn zu schöpfen.“ (ebd., S. 108)

Wie bereits in dem Theaterstück „TERROR“ richtet sich von Schirach zum Schluss mit einer Frage an das Publikum und lässt das Ende offen: „Die rechtliche Frage, ob ein Arzt einem Menschen beim Selbstmord helfen darf, ist zwar geklärt. Die ethische Frage aber bleibt. Sie lautet: Soll ein Arzt einem Menschen dabei helfen?“ (ebd., S. 12) – Wie würdet ihr euch entscheiden?

Interessanter Talk mit dem Autor zu „GOTT“ bei Markus Lanz zum Video

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