Buchclub // Leserunde zu Botschaften an mich selbst von Emilie Pine

Noch bevor das Buch Botschaften an mich selbst von der irländischen Autorin Emilie Pine in deutscher Sprache erschienen ist, habe ich es auf Englisch (Originaltitel: Notes to Self) begonnen zu lesen. Den Einstieg in die Lektüre habe ich sehr eindrücklich in Erinnerung behalten und ehrlicherweise weiß ich nicht warum ich es auf Englisch vorerst abgebrochen hatte. Es las sich sehr verständlich. Nichts desto trotz habe ich es nun auf Deutsch zu Ende gelesen und muss folgendes festhalten: Emilie Pine spricht mir wahrlich aus der Seele! Und noch was: Liebe Männer, ihr solltet das lesen!

Am Ende des Blogbeitrags findet ihr einige Stimmen der Buchclub-Mitglieder.

Inhaltsangabe zu Botschaften an mich selbst von Emilie Pine

Im Buchclub habe ich zu Beginn der Diskussion die Frage gestellt wem sie dieses Buch empfehlen würden. Dabei kam der berechtigte Hinweis, dass es vorerst einer Triggerwarnung bedarf. Emilie Pine schreibt in den sechs Essays über Alkoholismus, unerfüllten Kinderwunsch, Kindstod, Drogenkonsum, Depression, Essstörung, sexueller Missbrauch uvm., das klingt erstmal heftig. (Durchatmen) Die Autorin erzählt episodenhaft von ihrem Leben, in dem sie mit all diesen Themen konfrontiert wurde. Ihr Vater war Alkoholiker, ihre Schwester erlebte eine Todgeburt, sie selbst konnte keine Kinder bekommen, ihre Kindheit war von Rebellion, der Scheidung ihrer Eltern und einer Essstörung geprägt. Aktuell ist sie Associated Professor und steht für Themen wie Feminismus ein. Das Buch ist ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, das mit der Formulierung von Botschaften an sich selbst – einer To-do-Liste endet und dem Eingeständnis: „Ich habe Angst. Aber ich mache es trotzdem.“ (Pine 2021, S. 218)

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Meine Gedanken zum Buch

Obwohl in den Essays derart ernste Themen beschrieben werden, hat Emilie Pine es geschafft, sie dennoch sehr zugänglich, verknüpft mit ihren Erfahrungen zu vermitteln. Egal mit welchem Thema du dich beim Lesen aufgrund von ähnlichen Erfahrungen identifizieren kannst, sie dringt bis in die Tiefen deiner Gefühlswelt ein. Auch andere „große Themen“ wie internalisierte Misogynie oder Geschlechter als gesellschaftliches Konstrukt à la Simone de Beauvoir schwingen im Subtext mit, ganz und gar nicht aufdringlich.

„Mädchen werden nicht mit dem Gefühl geboren, minderwertig zu sein. Das wird ihnen beigebracht.

Pine 2021, S. 195)

Mich hat die Autorin insbesondere mit ihren Schilderungen zur Scheidung ihrer Eltern abgeholt, da ich es als Kind sehr ähnlich erlebt habe:

„Geschiedene Eltern zu haben, ist so normal geworden, dass es überdramatisiert erscheint, die Entfremdung meiner Eltern als emotional verstörend zu bezeichnen. Da es kein konkretes Trauma gibt, das ich benennen könnte, kann ich nur annehmen, dass ich die geringfügigen Schmerzen der Kindheit stärker empfinden – empfunden habe -, als ich sollte“

(Pine 2021, S. 115)

Wie eingangs angeteasert, empfehle ich die Lektüre allen Männern da draußen, insbesondere den Essay Über das Bluten und andere Verbrechen – Pine vergießt Blut auf ihren Seiten und hätte nicht treffender das Thema Menstruation beschreiben können.

„‚Ich habe meine Periode.‘ Wo habe ich gelernt, dass diese Worte schambesetzt sind?“

(Pine 2021, S. 122)

Ein Denkanstoß möchte ich euch noch zum Abschluss mitgeben: Wer ist euer Vorbild? Lest selbst im Essay Das steht nicht im Lehrplan warum die Autorin bei der Beantwortung der Frage mit verinnerlichtem Sexismus zu kämpfen hatte und da obwohl sie selbsternannte Feministin ist.

Meinungen der Buchclub-Mitglieder

„Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Alle Themen werden sensibel, ehrlich und lesbar beschrieben. Da merkt man diese Stationen im Leben wurden gelebt, die Erfahrung mit Herz weitergegeben.Ich empfehle dieses Buch jeder Frau, egal welchen Alters.Hat man das eine oder andere schon erlebt, darf man erkennen das es zu verarbeiten ist.Ist man noch jung, wird man spätestens bei der eigenen Erfahrung entspannter damit umgehen können.Ob Männer dies lesen sollten? Vlt. ein paar aber sicher nicht alle. Besser, mit den Männern darüber sprechen.“

– Linda

Weitere Besprechungen zum Buch:

WDR

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